Tanzstücke

Totentanz 2

Zu sehen war eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tod. Und die Begegnung von Tod und Liebe. Als ich vor einigen Wochen von der Uraufführung erfahren hatte, war ich über den Veranstaltungsort doch einigermaßen verwundert. Der Hauptfriedhof bietet sich für die Aufführung eines Totentanzes natürlich an, doch hätte ich mir nie träumen lassen, dass die Stadt Karlsruhe das auch genehmigt

Totentanz 2

Totentanz 2

Nur zwei Dinge sind in unserem Leben ganz sicher: Das wir geboren wurden und das wir sterben werden. Da uns der Tod unausweichlich bevor steht, haben sich viele Künstler damit auseinandergesetzt. Oft über das Hilfsmittel eines Totentanzes. Die Kirchen sind voll davon, wenn man genau hinschaut. In Basel wurde vor 250 Jahren der Dichter Johann Peter Hebel geboren. Die Adresse seines Geburtshauses: Totentanz 2. Womit auch schon die eigenartige Überschrift dieses Beitrages erklärt wäre. Und weil Johann Peter Hebel auch in Karlsruhe gedichtet hat, haben die Karlsruher Bürger eine besondere Beziehung zu ihm und feiern zur Zeit seinen 250ten Geburtstag.

Deswegen wurde es am Sonntag Abend, zwischen 20.00 und 21.00 Uhr, vor der Kapelle des Karlsruher Hauptfriedhofs in der Abenddämmerung mehr als Besonders. Nicht wie sonst, Menschen in schwarz und mit bedrückter Stimmung, sondern in bunten Kleidern und mit gespannter Erwartung. Zunächst füllte sich der Vorplatz und dann die Kapelle selbst. Und zwar bis zum letzten Platz. Inklusive aller improvisierten Stehplätze.

Zu sehen war eine künstlerische Auseinandersetzung mit dem Tod. Und die Begegnung von Tod und Liebe. Als ich vor einigen Wochen von der Uraufführung erfahren hatte, war ich über den Veranstaltungsort doch einigermaßen verwundert. Der Hauptfriedhof bietet sich für die Aufführung eines Totentanzes natürlich an, doch hätte ich mir nie träumen lassen, dass die Stadt Karlsruhe das auch genehmigt.

Umso mehr habe ich mich am Sonntagabend dann aber auch gefangen nehmen lassen von der Stimmung , welche das Thema, die Tänzer und die Musik in der Kapelle vermittelt haben. Und zuvor habe ich, bei der eröffnenden Worten, mit Erstaunen vernommen, wie umtriebig Frau Regine Rosenfeldt von der Friedhofsverwaltung dafür gesorgt hat, dass dieser außerordentliche Kunstgenuss stattfinden kann.

Den musikalischen Rahmen hat in sehr treffender und einfühlsamer Weise der Karlsruher Komponist Thomas Bierling geschaffen. Daniela Näger aus den Niederlanden tanzte hingebungsvoll "die Liebe" und Gabriela Lang den Gegenpart, den Tod. Das Ensemble des "wirkstatt Tanztheaters" zeigte in ergreifender Weise den aussichtslosen Kampf des Einzelnen mit dem Tod.

Es bleibt mir also nur die Friedhofsverwaltung und die Stadtverwaltung zu loben, was sicher selten genug geschieht. Dafür, dass sie einen wunderbaren Rahmen für diese Veranstaltung zur Verfügung gestellt haben. Und außerdem würde ich mir das Stück gerne noch einmal anschauen. Vielleicht nicht mehr in der Kapelle des Hauptfriedhofs, sondern an einem Veranstaltungsort der mehr Zuschauern die Möglichkeit bietet, in diesen Kunstgenuss zu kommen. Ich kann nur jedem empfehlen, dem dieser eigenartige Titel "Totentanz 2" unterkommt, sich die Sache anzuschauen. Einen Tango, getanzt von der Liebe in inniger Umarmung mit dem Tod, sieht und hört man nicht alle Tage. Man darf gespannt sein wer der Stärke von den Beiden ist.