DAS KONZEPT - Tanztheater nach Gabriela Lang

Tanztheater ist eine Bühnenkunst.

Jeder, der teilnimmt, stellt sich dem Publikum, verfolgt mit dem Körper einen Ausdruck in Raum und Zeit und nutzt Bewegung als Ausdrucksmittel auf der Bühne. Tanztheater nutzt aber auch noch eine Reihe anderer Medien,

  • die Sprache als sinnliches Instrument,
  • erweiterte Vorstellungen von Musik, experimentelle Klangräume, Texturen, optisch oder akustischer Art
  • visuelle Optionen aus der Videokunst, und andere moderne Medien um zu einer „augmented reality“ im künstlerischen Geschehen zu gelangen

Nicht alle Kurse führen direkt auf die Bühne.
Diese Arbeit führt den teilnehmenden Menschen

  • erst einmal zu sich selbst, zu seinem Körper, seiner Wahrnehmung, der Arbeit an sich selbst, zu persönlichem Wachstum.
  • zu Interaktionen mit anderen Beteiligten, zum Aufbau geeigneter Arbeitsstrukturen, wie Ensemblearbeit, konstruktives Feedback erlernen, einer Haltung, die gegenseitiges Wohlwollen und Konkurrenz freies Handeln fördert.
  • zu szenischen Arbeiten, Choreografien, Performances, Begegnungen mit Publikum und zur Bühnenkunst.
  • Zu einer Selbstrealisation als Künstler

und zwar genau in dieser Reihenfolge. Ein Prozess, der einige wenige oder viele Jahre dauern kann, möglicherweise ohne Ende ist aber in diesem Unterricht, in diesen Proben einen Anfang findet.

Die Arbeit im Tanztheater fordert und fördert den Menschen auf allen Ebenen des Denken, Fühlen und Handelns. Wir beginnen immer mit dem Körper, der Bildebene und kommen zu Abstraktionsebenen und Reflexionen. Wir kommen vom Fühlen und wahrnehmen der Emotionen zu deren physischem Ausdruck, bleiben da aber nicht stehen sondern sortieren und konstruieren neue Ebenen und differenzieren Konzepte. Erproben verschiedene Künstlerischen Konzepte und steigern immer auch die Möglichkeiten der eigene Persönlichkeit, denn sie und der Körper selbst sind Gegenstand der Künstlerischen Entwicklung. Der Mensch und sein Körper sind das künstlerisch zu bearbeitende „Material“.

Der Tanzende i s t sein Körper. Sein Geist und seine Psyche sind Substanzen des tanzenden Körpers, die sich in ständiger Bearbeitung befinden(Training).

Der tanzende Körper ist das Kunstwerk, das werdende, der Tanztheater Darstellende ist ein fleischlicher Künstler, der im Grunde nichts weiter braucht als seine Nacktheit, um seine Kunst vollständig ausüben zu können.

Tanztheater arbeitet mit der Idee der Bausteine (kleine Päckchen, Elemente), die mit anderen Bausteinen zusammen montiert werden zu einer Gesamtheit eines Gebäudes, das ein Thema oder eine Frage bearbeitet.

Bausteine sind Bewegungsstrukturen, Loops, Choreografien, Szenen, Fragmente, Antworten. Bausteine sind auch Musik, Bilder, Kostüme, Requisiten, Tanzstile, Sätze, Texte, Textbücher.

Bausteine werden in Bildern dargestellt. Bilder sind Begriffe für Szenen, Akte, Auftritte.

Jedes abendfüllende Tanztheater Stück besteht aus circa 10-20 Bildern. Ein Kurzstück von 10-15 Minuten, oder eine Performance kann aus 2 – 3 Bildern bestehen. Ein Solo ist meist 1 Bild.Bilder können nebeneinander stehen.

Bilder können so stark ineinander verflochten werden, dass sie zu ganzen Akten gebündelt werden. In diesem Fall werden aus 20 Bildern vielleicht ein klassischer 3 oder 5 Akter.

Die Freiheit des TT besteht aber genau in der Revueartigkeit und den lockeren Verbindungen von Bildern, die sich assoziativ im Arbeitsprozess zur Thematik eines Stückes erschlossen haben. Der Zuschauer sucht dann vergebens nach einem durchziehenden logischen Handlungs- oder Erzählstrang.

Das ist einer der herkömmlichen Kritikpunkte am Modernen Tanztheater.

Der Zuschauer will etwas logisch, folgerichtig, cineastisch verstehen und sich mit einem Protagonisten identifizieren können, das vermeidet das Tanztheater in vielen Fällen ganz, frustriert den Betrachter. Dieser wird anders gefordert in seiner Rezeption. Es soll sich ein Bilderbuch anschauen, ohne Text. Nicht eine Braut, sondern viele Bräute stehen auf der Bühne, nicht ein König, sondern, jeder ist ein König.

TT spiegelt die moderne Gesellschaft in ihren Zusammenbrüchen und Separierungen, in ihren Erneuerungen und in ihrer Kunst sich von sich selbst zu emanzipieren. Tanztheater ist eine Kunst der Befreiung von Diktat der Ästhetik des 19. und 20. Jahrhunderts.

Was ist Tanz denn? Heute 2013.

Tanz ist eine individuelle, körperliche Befreiung aus dem Diktat des sozialisierten, kollektiven Körpers; eine physische Befreiung aus den Klauen der Sozialisation, ein Ausbrechen aus dem Korsett der Normen.

Tanz zeigt entweder die Befreiung oder aber er spiegelt, bewusst oder unbewusst, die Sozialisation.

Tanz ist ein Lebenszeichen. Berührend. Tanz ist Bewegung. Stillstand ist Tod.

Modernes Tanztheater heißt: etwas von sich zeigen, von seinen eigenen Antworten, jenseits der gewünschten Antworten. Tanztheater widmet sich mehr dem Scheitern, dem Sein wie es ist, weniger dem, wie es sein soll, wendet sich ab von dem Körperperfektionismus, der Gleichschaltung und normierender Vereinheitlichung.

Jeder Körper ist anders. Hinterlässt einen anderen Abdruck und Eindruck. Jeder erzählt seine Geschichte. Diese Individualität fordere und fördere ich als Choreografin von den Tanzenden und von den Lernenden. Egal welchen Alters.Werde dich selbst, stelle dich in den Mittelpunkt und schütze und bewahre den Mittelpunkt als den Ort, zu dem jeder Mensch hin möchte, den er fürchtet und verlangt. Der Ensemblegeist schützt vor dem Ausgeliefert sein im Mittelpunkt. Jeder kann hinein, soll hinein, darf dort verweilen und ihn wieder verlassen, frei geben für die Andern. Teilen.

Tanz braucht Zeugen. Zuschauer. Zugewandte. Tanz braucht tanzende Menschen, die sich öffnen können. Ihr Körper muss sich öffnen können, behaupten im Mittelpunkt, am Rand, im ganzen Raum, in seinem historischen Körper. Dadurch ergibt sich die Frage, wer bist du? Wer bist du im Tanz? Die Antwort lautet: zeige es in Bewegung.

Tanz ist ein leidenschaftliches Urbedürfnis des Menschen. Frei zu sein von Nahrungssuche und damit verbundener Arbeit, sinnloses, bzw. nicht Ziel und Zweckorientierte Bewegung in der Welt. Sein, Dasein, Freude empfinden an sich, seinem Körper, seinem Dasein. Frieden zu spüren, entspannend Spannung produzieren zu können in einem Duktus von Großzügigkeit und freundlichem Spiel.

Tanz ist ein Medium mit dem sich zaubern lässt.

Tanztheater ist berührende Magie aus Bilderwelten, die von den Geschichten unserer Sozialisation erzählen und den Wegen zu einer Balance, die uns, uns selbst erkennen und lieben lässt.

Gabriela Lang, 1.August 2013 zum Ende des Theaterjahres 2012/13

willkommen

 

auf der Bühne

mehr ...

 

in der Schule

mehr ...

 

bei den Medien

mehr ...