gala artwords

Tagebuch vom 22.11.13 - 50 Jahre JFK. Ich erinnere mich noch an die Aufregung von damals, die durch die Welt eilte. 1963 war ich 10 Jahre alt. Tränen. Warum weine ich, wenn ich mich an etwas erinnere? Fragen wir es mal! „Weinen, warum tauchst du auf, wenn ich mich erinnere? Wer bist du, was bist du, warum bist du? „Ich bin die Träne und habe viele mit kugelnden Tropfen, helle, glasig, salzige Perlen. Wir sind zusammen das Weinen. Das Weinen ist der Regen der Seele. Wenn wir auftauchen, gerät das Leben in Fluß, wir reinigen und transportieren die Gefühle der Zartheit, wir ziehen das aller wertvollste in kleinen gläsernen Seen wie Schiffchen durch die Welt des Erlebens. Wir sind weich, saftig, sanft, ein Ausdruck von Liebe, wir lassen geschehen. Ein Ausdruck von Wertschätzung, es ist geschehen. Das Geschehen ist das Leben, jeder Moment geschieht. Oft geschieht alles nach seinen Regeln und so wie wir es erwarten. Aber das Geschehen folgt manchmal auch unbekannten Regeln und überrascht uns. Wenn sehr heftiges geschieht, bin ich, das Weinen, wie ein weicher Gleitschutz, damit das Leben nicht einklemmt und stecken bleibt.“ „Ja, nun hast du gesagt, wer und was du bist. Deine Worte klingen schön, mir scheint, du seist wie ein Licht, das das Dunkel erfüllt und schimmern lässt. So ergibt sich aus deiner Beschreibung eine Antwort, die ich mir selber geben kann, warum gerade du so häufig bei mir auftauchst. Seltsam, du bist das Weinen, das mir wie eine Auszeichnung erscheint, wie ein kleiner Orden, der auf die Brust fällt, den das Leben selbst sich verleiht. Da du bei diesem Gedanken jetzt gerade wieder auftauchst in meinem Auge, heißt das, ich habe recht, es stimmt, du bist die Bestätigung, die mir das Leben selbst verleiht. Ich kann dich trinken in winzigen Portionen, du bist ein zart-salzig-süßes Wasser.“ Das Weinen ist also nichts schlimmes, nichts schreckliches, nichts schämenswertes, es ist die Auszeichnung, die das Leben dem Menschen verleiht, der den Wert erkennt, den das Leben hat. Jede Träne ist ein Glück für die Welt. So bin ich ein Glück, ich Weinende. Für dich und dich und dich und die Welt, die mich hält. Vielleicht würde man vor Ehrfurcht erstarren, wenn man den Wert des Lebens in vollem Umfang erkennen würde. Das Weinen jedenfalls verhindert die Starre der Ehrfurcht und weckt Glück und Glanz.

 

Foreign Land

Fernes Land, fremdes Land. Wir leben in einer globalen Welt, nichts ist uns mehr fremd und unbekannt, das fernste Dorf Afrikas dringt in unsere Wohnzimmer. Wir zappen weiter. Zum vertrauten Krimi. Was wir noch nicht kennen wird gegooglt. Und doch scheinen wir uns selbst so fremd geworden und andererseits wird alles Andere ausgemerzt und reduziert auf das scheinbar beste Eine, Gleiche, das zum Erfolg führen soll. Permanent müssen wir uns vergleichen und sollen die Besten sein, immer und überall, der zweite Platz ist der schlechteste, in der subjektive Eigenwahrnehmung hat man versagt. Das Andere muss ebenfalls unseren gewohnten Pattern entsprechen, sonst ist es unten durch. Wir sind müde geworden (Byung-Chul Han), erschöpft von der Selbstausbeutung immer besser schneller größer werden zu müssen. Die innere Qualität und Lebensqualität scheint schal und schmeckt fade. Der Eros ist verloren. Die Artenvielfalt reduziert sich permanent, die innere Vorstellungsvielfalt atrophiert. Übrig bleibt ein einziges Formular. Eine UNIFORM. Ablassen lernen von der falschen Wahrheit, die man inhaliert hat..............

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