Getanzte Führungen im Museum (ZKM, Karlsruhe)

Künstler, Kunstvermittler, und Kunst interessierte Menschen bewegen sich auf breiten und hellen Wegen durch die Landschaft Kultur. Sie ist für mich eine der wenigen Paradiese, die ich finde konnte. Und solche Paradieshüter wie das ZKM in Karlsruhe sind wahre Oasen, die uns nähren und aufbauen; hier bekommen wir guten Reiseproviant für verschiedene Wege. Gabriela Lang (Kunst in Kunst;Muskom)


Kunst in Kunst (KIK) – Was ist das?

(Am Beispiel einer Aktion Führung im ZKM erklärt.)

Dieser Text handelt von der Kunst in der Kunst zu Kunst zu werden. Sich in der Kunst zu bewegen, Kunst und Bewegung,  Bewegtes, Bewegendes zu erfahren und zu einem In-der-Kunst-Künstler zu werden.

 

Ein Kunstwerk betreten, befühlen, in ihm fühlen, vorübergehend zu einem Teil eines Kunstwerks werden, sich einfühlen, es verändern durch die eigene Präsenz und Teilhabe, das ist die Idee und der Startpunkt eines personaren (durchtönenden) Vorgangs. Das Kunstwerk verlassen, ohne Spuren zu hinterlassen. Spuren bleiben im Körper und Geist des Performers durch die vollzogenen Handlungen.

 

Das künstlerische Selbst transformiert sich durch Kunsteinflüsse. Partizipieren in und an der Kunst wirkt stark auf denjenigen, der sich einlässt und wirkt je nachdem wie er sich einlässt und zulässt, was und welche Wirkungen sein dürfen.

 

Neue Wahrnehmungszustände werden erreicht und Veränderungen werden spürbar.- Spuren spüren, sie fortspüren, etwas fortführen, weitertragen in andere Zusammenhänge. Partizipation aus dem Kopf in den Körper sacken lassen, verspricht eine neue Form von Präsenz und Sensibilität der Teilnehmenden an den Aktionsführungen.  

 

Hierbei wird Jeder zu einem „Künstler in Kunst“, wenn er sich seiner Funktion als Mensch - für eine Teilzeit - entledigt und sich gestattet mit seinem Körper - zu einem lebendigen Stück - eines "toten", materiellen, unkörperlichen – Kunstwerkes zu werden.   Für die gesamte Zeit der Performance (in dem ausgewählten Kunstwerk) gehören die tanzenden Körper zum Werk eines Künstlers, und somit wird (für eine vorübergehende Zeit) ein anderes bisher nicht sichtbar gewesenes Werk entstehen, eines mit der ephemeren Kunst des Tanzes gleichzeitig wieder verschwindendes Werk, das höchstens durch eine weitere Kunst - die der Fotographie und des Filmes – abgebildet werden und erhalten werden kann. –

Ein vollkommen neues Kunstwerk entsteht und vergeht wieder durch die partizipierenden Performer. 

 

Diese Form der partizipativen Kunst (Konzeptkunst) trägt einen wahren Fundus an potentieller transformativer gesellschaftlichen Kraft in sich. Einspüren, Nachstellen, Erweitern und in den Ausdruckgehen, löst einen kreativen Prozess im Erleben aus. Eine Auseinandersetzung mit dem Exponat greift in die inneren Denk-Fühl- Seh-Hör- Strukturen ein und verändert die Wahrnehmung und Sichtweisen.

Beispiele: Wir sind vor dem Werk von Renato Guttuso: „Occupazione delle terre incolte - Die Besetzung von Brachland“.

Das mehrere Meter große Ölgemälde zeigt eine Gruppe von Menschen, Arbeiter, Bauern, Mütter und Kinder, die sich auf den Weg machen in ein brachliegendes Land, das ihnen eine bessere Zukunft bietet soll.